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Menschen bleiben länger pflegebedürftig: was die steigende Pflegedauer für die Personalplanung heißt

Nicht nur die Zahl der Pflegebedürftigen wächst – Menschen bleiben auch länger pflegebedürftig. Der Anteil, der nach zwei Jahren noch versorgt wird, ist deutlich gestiegen. Warum das den Personalbedarf langfristig und planbar erhöht.

13. Juli 2026 8 Min. Lesezeitvon Giovanni Bruno

Auf den Punkt

Nicht nur die Zahl der Pflegebedürftigen steigt – Menschen bleiben auch länger pflegebedürftig. Laut BARMER-Pflegereport 2025 ist der Anteil derjenigen, die nach zwei Jahren Pflegebedürftigkeit noch versorgt werden, von der Eintrittskohorte 2017 zur Kohorte 2023 von 69,1 auf 74,2 Prozent gestiegen. Für die Personalplanung heißt das: Der Bedarf wächst nicht nur durch neue Pflegebedürftige, sondern auch dadurch, dass bestehende Pflegeverhältnisse länger andauern. Das erhöht den Personalbedarf langfristig – macht ihn aber auch stabiler und besser planbar. Wer diese Entwicklung in seine Personalstrategie einbezieht, plant realistischer.

Für Leitung & Geschäftsführung

  • Über den steigenden Zustrom an Pflegebedürftigen wird viel gesprochen – über die steigende Verweildauer kaum.
  • Dabei ist sie ein eigener, gut belegter Treiber des Personalbedarfs.
  • Wir ordnen die Zahlen ein und zeigen, was längere Pflegedauern für die Personalplanung bedeuten.

Die zweite Dimension des Personalbedarfs

Wenn über den wachsenden Personalbedarf in der Pflege gesprochen wird, geht es fast immer um eine Zahl: wie viele Menschen pflegebedürftig werden. Das ist der Zustrom – und er ist erheblich. Doch es gibt eine zweite Dimension, die oft übersehen wird: wie lange Menschen pflegebedürftig bleiben.

Beide zusammen bestimmen den Personalbedarf. Selbst wenn der Zustrom gleich bliebe, würde der Bedarf steigen, sobald Menschen länger versorgt werden. Denn jedes länger andauernde Pflegeverhältnis bindet über mehr Zeit Personal.

Genau diese zweite Dimension lässt sich inzwischen belegen – und sie zeigt klar nach oben.

Die Zahlen: länger in Pflege

Der BARMER-Pflegereport 2025 betrachtet sogenannte Inzidenzkohorten – also Gruppen von Menschen, die im selben Jahr pflegebedürftig wurden – und verfolgt, wie viele von ihnen nach einer bestimmten Zeit noch pflegebedürftig sind.

Das Ergebnis ist deutlich: Der Anteil derjenigen, die nach zwei Jahren Pflegebedürftigkeit noch versorgt werden, ist von der Eintrittskohorte 2017 zur Kohorte 2023 von 69,1 auf 74,2 Prozent gestiegen. Der Report spricht von einer Tendenz zu längeren Pflegedauern.

Hinter dieser Zahl steht zunächst eine gute Nachricht: Menschen überleben die Pflegebedürftigkeit länger. Zugleich hat das eine klare Konsequenz für die Versorgung – und damit für den Personalbedarf.

fokusKI · Nach zwei Jahren noch pflegebedürftig – der Anteil steigt
Eintrittskohorte 201769,1 %
Eintrittskohorte 201970,1 %
Eintrittskohorte 202172,4 %
Eintrittskohorte 202374,2 %

Anteil nach 24 Monaten in Prozent

BARMER-Pflegereport 2025, S. 84 und S. 90 · Anteil der Inzidenzkohorte, der nach 24 Monaten noch versorgt wird

Warum das den Personalbedarf erhöht

Die Logik ist einfach: Wenn Menschen länger pflegebedürftig bleiben, überlagern sich mehr Pflegeverhältnisse zur gleichen Zeit. Zu den neu Hinzukommenden treten diejenigen, die früher hinzukamen und weiterhin versorgt werden.

Das bedeutet, dass der Personalbedarf auch dann steigt, wenn die Zahl der neuen Pflegebedürftigen konstant bliebe. Die längere Verweildauer wirkt wie ein zweiter Motor neben dem demografischen Zustrom.

Für die einzelne Einrichtung heißt das konkret: Betreuungsverhältnisse dauern im Schnitt länger, Plätze werden über längere Zeiträume belegt, und der Personaleinsatz je Pflegebedürftigem summiert sich über mehr Monate. Der Bedarf wächst also nicht sprunghaft, aber stetig.

DimensionWas sie beschreibtWirkung
Zustromwie viele neu pflegebedürftig werdenmehr Pflegebedürftige insgesamt
Verweildauerwie lange sie pflegebedürftig bleibenlängere Bindung von Personal je Fall
Zusammenbeide Effekte überlagern sichstetig steigende, planbare Grundlast
Zwei Treiber des Personalbedarfs

Die gute Seite: mehr Planbarkeit

Anders als der oft als bedrohlich empfundene Zustrom hat die längere Verweildauer auch eine positive Seite für die Planung. Längere, stabilere Pflegeverhältnisse bedeuten weniger Fluktuation auf der Seite der Versorgten und damit besser vorhersehbare Auslastung.

Wer weiß, dass Pflegeverhältnisse tendenziell länger andauern, kann seinen Personalbedarf verlässlicher vorausplanen. Die Unsicherheit sinkt, die Grundlage für langfristige Personalentscheidungen wird solider.

Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel: Die Entwicklung ist nicht nur eine zusätzliche Last, sondern auch eine Chance für eine ruhigere, vorausschauende Personalplanung – wenn man sie kennt und einbezieht.

HerausforderungChance
dauerhaft steigender Personalbedarfbesser vorhersehbare Auslastung
mehr Personaleinsatz je Pflegefallverlässlichere langfristige Planung
Bedarf als Grundlast, nicht als Spitzesolide Basis für Bindungsinvestitionen
Längere Pflegedauer – Last und Chance zugleich

Was das für die Personalstrategie bedeutet

Aus der steigenden Pflegedauer folgt, den Personalbedarf nicht nur aus der Zahl der neuen Pflegebedürftigen abzuleiten, sondern auch die Verweildauer mitzudenken. Wer nur den Zustrom betrachtet, unterschätzt den tatsächlichen Bedarf.

Für die Personalgewinnung heißt das: Der Bedarf ist kein kurzfristiger Ausschlag, sondern eine dauerhaft steigende Grundlast. Das rechtfertigt den Aufbau stabiler, langfristiger Gewinnungs- und Bindungsstrukturen statt kurzfristiger Notlösungen.

Und es unterstreicht, wie wichtig Mitarbeiterbindung ist: Wenn der Bedarf dauerhaft hoch bleibt, ist jede gehaltene Kraft doppelt wertvoll. Personalgewinnung und Bindung sind bei einem strukturell steigenden Bedarf keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Strategie.

Einordnung: kein Alarmismus, aber ein klarer Trend

Es lohnt sich, die Zahlen nüchtern zu lesen. Die steigende Verweildauer ist kein dramatischer Sprung, sondern ein stetiger Trend über mehrere Kohorten hinweg. Genau das macht ihn für die Planung so brauchbar: Er ist verlässlich und gerichtet.

Zugleich ist die Entwicklung Teil einer positiven Gesamtbewegung – Menschen leben länger, auch mit Pflegebedürftigkeit. Diese Einordnung ist wichtig, um die Zahlen nicht als reine Bedrohung, sondern als planbare Realität zu behandeln.

Für Träger heißt das: die Entwicklung ernst nehmen, ohne in Alarmismus zu verfallen. Eine ruhige, datengestützte Personalplanung ist die angemessene Antwort.

Was Träger jetzt tun sollten

Der erste Schritt ist, die Verweildauer in die eigene Bedarfsplanung aufzunehmen – nicht nur zu fragen, wie viele Pflegebedürftige hinzukommen, sondern auch, wie lange bestehende Verhältnisse andauern.

Daraus folgt, den Personalbedarf als dauerhaft steigende Grundlast zu behandeln und entsprechend langfristig zu planen: stabile Gewinnungswege aufbauen und konsequent in Bindung investieren, statt auf kurzfristige Lücken kurzfristig zu reagieren.

Träger, die beide Dimensionen – Zustrom und Verweildauer – zusammen betrachten, planen realistischer und geraten seltener in Personalengpässe. In einem Feld, in dem der Bedarf ohnehin steigt, ist diese vorausschauende Sicht ein echter Vorteil.

Weiterführende Quellen

  • BARMER-Pflegereport 2025Primärquelle: Der Anteil, der nach zwei Jahren Pflegebedürftigkeit noch versorgt wird, stieg von der Inzidenzkohorte 2017 (69,1 %) zur Kohorte 2023 (74,2 %); Tendenz zu längeren Pflegedauern (S. 13, S. 84, S. 90).

Häufige Fragen

Bleiben Menschen länger pflegebedürftig?

Ja. Laut BARMER-Pflegereport 2025 ist der Anteil derjenigen, die nach zwei Jahren Pflegebedürftigkeit noch versorgt werden, von der Eintrittskohorte 2017 zur Kohorte 2023 von 69,1 auf 74,2 Prozent gestiegen. Der Report spricht von einer Tendenz zu längeren Pflegedauern.

Warum erhöht die längere Pflegedauer den Personalbedarf?

Weil sich mehr Pflegeverhältnisse zur gleichen Zeit überlagern. Zu den neu Hinzukommenden treten diejenigen, die früher hinzukamen und weiterhin versorgt werden. Der Bedarf steigt damit auch dann, wenn die Zahl der neuen Pflegebedürftigen konstant bliebe.

Hat die Entwicklung auch positive Seiten?

Ja, gleich zwei. Erstens steht dahinter, dass Menschen die Pflegebedürftigkeit länger überleben. Zweitens bedeuten längere, stabilere Pflegeverhältnisse eine besser vorhersehbare Auslastung – der Personalbedarf wird planbarer und die Grundlage für langfristige Entscheidungen solider.

Was bedeutet das für die Personalstrategie?

Den Bedarf als dauerhaft steigende Grundlast zu behandeln und langfristig zu planen: stabile Gewinnungswege aufbauen und konsequent in Bindung investieren. Wer nur den Zustrom betrachtet und die Verweildauer ignoriert, unterschätzt den tatsächlichen Personalbedarf.

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