Auf den Punkt
Der BARMER Pflegereport 2025 zeigt: Hinter den 4,9 Millionen Menschen, die 2023 zu Hause gepflegt wurden, stehen rund 9,8 Millionen pflegende Angehörige – rechnerisch zwei pro häuslich Pflegebedürftigem. Diese Gruppe ist damit größer als jede Berufsgruppe der professionellen Pflege. Für Träger ist sie doppelt bedeutsam: Angehörige prägen die öffentliche Reputation einer Einrichtung wie kaum jemand sonst – und sie sind zugleich eine unterschätzte Zielgruppe für die Personalgewinnung.
Für Leitung & Geschäftsführung
- Wenn über die Pflege gesprochen wird, geht es meist um Fachkräfte und Bewohner. Eine dritte, riesige Gruppe bleibt oft unsichtbar: die pflegenden Angehörigen.
- Ihre Zahl ist so groß, dass sie jede Kommunikations- und Personalstrategie betrifft – ob man sie mitdenkt oder nicht.
- Wir ordnen die Zahlen des BARMER Pflegereports 2025 ein und zeigen, warum Angehörige für Reputation und Recruiting zentral sind.
Die Zahl: 9,8 Millionen pflegende Angehörige
Der BARMER Pflegereport 2025 rechnet vor: Bei rund 4,9 Millionen Pflegebedürftigen, die 2023 in häuslicher Umgebung versorgt wurden, ist mit etwa 9,8 Millionen pflegenden Personen zu rechnen. Auf jeden häuslich Pflegebedürftigen kommen also rechnerisch zwei Angehörige.
Zur Einordnung: Diese 9,8 Millionen sind ein Vielfaches der professionell in der Pflege Beschäftigten. Die pflegenden Angehörigen sind damit – oft unbemerkt – die größte Säule des gesamten Pflegesystems.
Für Träger der Pflege- und Sozialwirtschaft ist das eine wichtige Perspektive: Diese Millionen Menschen sind keine Randgruppe, sondern ein gesellschaftlicher Faktor, der jede Kommunikation und jede Personalstrategie berührt.
Menschen in Millionen
Warum Angehörige die Reputation prägen
Pflegende Angehörige sind selten neutral. Sie erleben die Versorgung ihrer Nächsten aus nächster Nähe, sind emotional beteiligt und sprechen über ihre Erfahrungen – im Bekanntenkreis und öffentlich in Bewertungen.
Genau das macht sie zu den wirkungsvollsten Botschaftern oder Kritikern einer Einrichtung. Ein Angehöriger, der sich gut informiert und ernst genommen fühlt, empfiehlt weiter. Einer, der sich übergangen fühlt, äußert das ebenfalls – und beides wird von anderen gelesen, die vor einer Pflegeentscheidung stehen.
Die Reputation einer Einrichtung entsteht deshalb zu einem großen Teil in der Kommunikation mit Angehörigen. Wer diese Gruppe gut begleitet, baut ein Fundament, das keine Werbung ersetzen kann.
Die zweite, oft übersehene Rolle: Angehörige als Zielgruppe fürs Recruiting
Es gibt eine zweite Dimension, die selten mitgedacht wird. Unter den 9,8 Millionen pflegenden Angehörigen sind viele, die durch die Pflege ihrer Nächsten praktische Erfahrung, Empathie und ein Gespür für den Beruf gewonnen haben.
Ein Teil dieser Menschen ist grundsätzlich offen für eine Tätigkeit in der Pflege – als Quereinsteiger, als Assistenzkraft, als Wiedereinsteiger nach der familiären Pflegephase. Sie kennen die Realität und bringen eine Haltung mit, die sich schwer ausbilden lässt.
Für Träger, die ihre Personalgewinnung breiter aufstellen müssen, ist das eine relevante Zielgruppe. Wer glaubwürdig zeigt, dass er die Situation pflegender Angehöriger versteht, spricht damit auch potenzielle Mitarbeitende an, die genau aus dieser Erfahrung kommen.
| Rolle | Bedeutung | Hebel |
|---|---|---|
| Reputationsträger | prägen Bewertungen und Empfehlungen | verlässliche Kommunikation |
| Potenzielle Mitarbeitende | kennen die Pflege aus eigener Erfahrung | glaubwürdige Ansprache |
Was gute Angehörigenkommunikation ausmacht
Wenn Angehörige Reputation und Personalpotenzial zugleich sind, wird ihre Kommunikation zur strategischen Aufgabe. Der Kern ist Verlässlichkeit: erreichbar sein, verständlich informieren, Fragen ernst nehmen.
Die häufigsten Enttäuschungen entstehen nicht aus fehlender Pflegequalität, sondern aus fehlender Kommunikation – aus dem Gefühl, nicht informiert oder nicht gehört zu werden. Das ist eine gute Nachricht, denn dieser Hebel liegt in der eigenen Hand.
Konkret bedeutet gute Angehörigenkommunikation, transparent zu sein, aktiv zu informieren und auf Rückmeldungen – auch kritische, auch öffentliche – souverän und respektvoll zu reagieren. Die operative Umsetzung dieser Kommunikation, etwa der Umgang mit Bewertungen, ist ein Thema für sich, das wir gesondert behandeln.
Der Bezug zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege
Viele pflegende Angehörige sind zugleich erwerbstätig. Der Report weist darauf hin, dass zur besseren Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und häuslicher Pflege etwa eine Reduktion der Arbeitszeit möglich ist. Die Doppelbelastung aus Beruf und Pflege ist für Millionen Menschen Alltag.
Das ist auch für Träger als Arbeitgeber relevant: Ein Teil der eigenen Belegschaft pflegt selbst Angehörige. Wer als Arbeitgeber Verständnis und Flexibilität für diese Situation zeigt, bindet Mitarbeitende und positioniert sich glaubwürdig – nach innen wie nach außen.
Die Verbindung von Angehörigenthema und Arbeitgebermarke ist damit enger, als es auf den ersten Blick scheint: Wer die Lebensrealität pflegender Angehöriger versteht, versteht auch einen Teil der eigenen Beschäftigten.
| Feld | Aufgabe | Ziel |
|---|---|---|
| Digitaler Auftritt | gesuchte Informationen auffindbar machen | Vertrauen schaffen |
| Bewertungen | souverän und respektvoll antworten | Reputation sichern |
| Arbeitgeberauftritt | Verständnis für Doppelbelastung zeigen | binden und gewinnen |
Warum diese Gruppe in die Kommunikationsstrategie gehört
Angesichts ihrer Größe ist es kein Nischenthema, Angehörige mitzudenken – es ist eine Grundentscheidung der Kommunikationsstrategie. Wer sie ausblendet, verschenkt die wirkungsvollste Quelle für Reputation und eine relevante Zielgruppe für Personal.
Das gilt für den digitalen Auftritt genauso wie für die direkte Kommunikation: Informationen, die Angehörige suchen, gut auffindbar bereitstellen; auf Bewertungen professionell reagieren; als Arbeitgeber und als Einrichtung zeigen, dass man diese Gruppe versteht.
Die 9,8 Millionen sind keine abstrakte Zahl. Es sind Menschen, die über Einrichtungen sprechen, Empfehlungen aussprechen und teils selbst für eine Tätigkeit in der Pflege infrage kommen. Sie zu übersehen, kann sich kein Träger leisten.
Was Träger jetzt tun sollten
Der erste Schritt ist ein Perspektivwechsel: Angehörige nicht als Anhängsel der Versorgung sehen, sondern als eigenständige, strategisch wichtige Gruppe – für Reputation, für Bindung und für Personalgewinnung.
Daraus folgt konkret: die Kommunikation mit Angehörigen bewusst gestalten, digital wie persönlich sichtbar und ansprechbar sein, auf öffentliche Rückmeldungen souverän reagieren und als Arbeitgeber Verständnis für die Doppelbelastung zeigen.
Träger, die diese Gruppe ernst nehmen, gewinnen doppelt: eine stärkere Reputation, die neue Bewohner und deren Familien überzeugt, und einen Zugang zu einer Zielgruppe, die den Pflegeberuf aus eigener Erfahrung kennt.
Weiterführende Quellen
- BARMER Pflegereport 2025 (Rothgang et al., bifg) — Primärquelle: rund 9,8 Millionen pflegende Personen bei 4,9 Millionen häuslich Pflegebedürftigen 2023 (S. 109); Hinweis auf Arbeitszeitreduktion zur Vereinbarkeit (S. 112).
Häufige Fragen
Wie viele pflegende Angehörige gibt es in Deutschland?
Der BARMER Pflegereport 2025 rechnet mit rund 9,8 Millionen pflegenden Personen bei 4,9 Millionen häuslich Pflegebedürftigen im Jahr 2023 – also rechnerisch zwei Angehörige pro häuslich Pflegebedürftigem.
Warum sind pflegende Angehörige für Pflegeeinrichtungen wichtig?
Sie prägen die Reputation stark, weil sie die Versorgung aus nächster Nähe erleben und darüber sprechen – in Empfehlungen und öffentlichen Bewertungen. Zugleich sind sie eine relevante Zielgruppe für die Personalgewinnung, weil viele die Pflege aus eigener Erfahrung kennen.
Können pflegende Angehörige als Mitarbeitende gewonnen werden?
Ein Teil dieser Gruppe ist offen für eine Tätigkeit in der Pflege – als Quereinsteiger, Assistenzkraft oder Wiedereinsteiger nach der familiären Pflegephase. Sie bringen Erfahrung und Empathie mit. Träger, die diese Situation glaubwürdig verstehen, sprechen sie besser an.
Wie sollte man mit Angehörigen kommunizieren?
Verlässlich: erreichbar sein, aktiv und verständlich informieren, Fragen ernst nehmen und auf Rückmeldungen souverän reagieren. Die meisten Enttäuschungen entstehen aus fehlender Kommunikation, nicht aus fehlender Pflegequalität. Die operative Umsetzung – etwa der Umgang mit Bewertungen – behandeln wir gesondert.
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