Strategie & KI

Was Recruiting wirklich kostet

Ein Träger mit fünf Einrichtungen zahlte im ersten Jahr rund 120.000 Euro für sein Personalmarketing. Wohin das Geld fließt – und was davon nur einmal anfällt.

10. Juli 2026 8 Min. Lesezeitvon Giovanni Bruno

Auf den Punkt

Ein Träger mit fünf Einrichtungen zahlte im ersten Jahr rund 120.000 Euro für sein Personalmarketing – etwa 24.000 Euro je Haus. Das ist branchenüblich, nicht überteuert. Der weit überwiegende Teil davon ist keine Beratung, sondern Herstellung: Recherche, Konzeption, Texte, Bilder, Anzeigen, Auswertungen. Genau dieser Teil verändert sich gerade.

Für Leitung & Geschäftsführung

  • Ein Träger der stationären Altenhilfe, fünf Einrichtungen. Auf seinen Wunsch bleibt er ungenannt – seine Recruitingrechnung nicht.
  • Seit drei Monaten arbeitet dieser Träger anders. Die Zahlen sind keine Jahresbilanz, sondern eine Hochrechnung aus einem laufenden Mandat. Ein Durchschnittswert ist es nicht, und eine Zusicherung eines Ergebnisses erst recht nicht.

Wohin das Geld üblicherweise fließt

Zwei Dinge stehen in dieser Aufstellung, die man leicht übersieht.

Erstens: Nur ein Bruchteil dieser Summe ist Beratung. Der weit überwiegende Teil ist Produktion. Wer eine Agentur beauftragt, bezahlt zum größten Teil Herstellungszeit.

Zweitens: Ein erheblicher Anteil fällt nur einmal an. Ohne Workshop, Maßnahmenplanung und Karriereseite liegen die laufenden Kosten ab dem zweiten Jahr bei etwa 65.000 bis 70.000 Euro. Wer vor zwei Jahren so investiert hat, hat nicht zu viel bezahlt – diese Leistung war damals nicht anders herstellbar.

PostenSpanneFällt an
Strategieentwicklung im Workshop5.000 – 10.000 €einmalig
Maßnahmenplanung, Priorisierung, Analyse der Werbekonten10.000 – 25.000 €einmalig
Kanäle und Umsetzung (Meta, Google, Unternehmensprofil, Google for Jobs, YouTube, Kununu, SEO)rund 20.000 €laufend
Reines Werbebudget24.000 – 30.000 €laufend
Monitoring und Kampagnenbetreuungrund 20.000 €laufend
Karriereseite10.000 – 15.000 €einmalig
Summe erstes Jahr105.000 – 120.000 €
Personalmarketing im ersten Jahr, klassisch aufgesetzt – ein Träger mit fünf Einrichtungen
fokusKI · Wohin die 120.000 Euro fließen

Jahreskosten Personalmarketing · in Euro

120.000 €

Erstes Jahr, klassisch

Erstes Jahr, klassisch: 120.000 €

65–70.000 €

Ab Jahr zwei

– Workshop, Planung, Karriereseite

Ab Jahr zwei: 65–70.000 € (– Workshop, Planung, Karriereseite)

rund 48.000 €

Ohne Werkzeugkette

– Produktion in einer Umgebung

Ohne Werkzeugkette: rund 48.000 € (– Produktion in einer Umgebung)

unter 30.000 €

Mit KI-Software

– weniger Reichweitenkauf

Mit KI-Software: unter 30.000 € (– weniger Reichweitenkauf)

Die ersten beiden Stufen fallen nur einmal an – sie verschwinden ab Jahr zwei ohnehin. Die dritte und vierte Stufe entstehen durch die Software: eine Umgebung statt einer Werkzeugkette, organische Sichtbarkeit statt gekaufter Reichweite.

Träger mit fünf Einrichtungen, identischer Leistungsumfang. Rechte Säule: Hochrechnung aus einem seit drei Monaten laufenden Mandat auf zwölf Monate. Kein Durchschnittswert, keine Zusicherung eines Ergebnisses.

Eine Umgebung statt einer Werkzeugkette

Wir haben eine eigene KI-Software aufgebaut und in diesem Mandat erstmals durchgängig eingesetzt. Sie wird einmalig eingerichtet und auf die Einrichtungen trainiert. Danach übernimmt sie Recherche, Content-Planung, Redaktion, Werbeanzeigen und die Auswertung der Kampagnendaten in einem cookielosen Dashboard.

Planung, Steuerung und Produktion laufen aus einem System. Was früher über ein halbes Dutzend Werkzeuge und ebenso viele Abstimmungsschleifen lief, entsteht an einer Stelle. Bewerbungs- und Onboarding-Prozesse steuert sie – sie ersetzt sie nicht.

Organische Sichtbarkeit statt Reichweitenkauf

Der teuerste Posten der alten Rechnung war das Werbebudget. Je besser eine Einrichtung bei Google, im Unternehmensprofil und in Google for Jobs gefunden wird, desto weniger Reichweite muss zugekauft werden. Dieser Effekt braucht Zeit. Er ist der eigentliche Hebel.

Wie groß er ist, zeigt unsere eigene Auswertung: Von 6.352 angesehenen Trägerwebsites haben wir 5.535 ausgewertet. Mindestens 1,8 % – genau 100 Träger – zeichnen ihre Stellenanzeigen so aus, dass sie in Google for Jobs erscheinen können. Wer zu diesen 100 gehört, konkurriert um kostenlose Sichtbarkeit mit erstaunlich wenigen.

Die Karriereseite als Produkt, nicht als Projekt

Eine Karriereseite kann 15.000 Euro kosten oder 100.000. Beide entstehen aus Handarbeit. Mit KI-Unterstützung entsteht sie schneller, technisch sauberer und von Anfang an für zwei Adressaten: für Suchmaschinen und für generative Systeme, über die zunehmend gesucht wird.

Wer heute in Suchmaschinen nicht auftaucht, taucht morgen in den Antworten der Assistenzsysteme nicht auf.

Der teuerste Posten ist jetzt der Mensch

Die Hochrechnung für dieses Mandat liegt bei unter 30.000 Euro im Jahr. Gegenüber dem ersten Jahr klassischer Aufstellung sind das rund 75 Prozent weniger, gegenüber den laufenden Kosten ab Jahr zwei rund 55 Prozent. Verglichen wird ein identischer Leistungsumfang; die Zahlen stammen aus einem einzelnen, seit drei Monaten laufenden Mandat und sind auf zwölf Monate hochgerechnet.

Der größte Einzelposten dieser Summe ist keine Software. Es ist ein unterstützender Beratungstag pro Monat. Das ist kein Schönheitsfehler des Modells, sondern seine Bedingung.

Eine KI priorisiert nicht unter knappen Ressourcen. Sie weiß nicht, dass die Einrichtung in der Kreisstadt eine andere Bewerberlage hat als die im Umland. Sie entscheidet nicht, ob eine Stellenanzeige diskriminierungsfrei formuliert ist – dafür haftet der Träger. Und sie erkennt nicht, wenn ein Personalmarketing ein Versprechen gibt, das die Organisation nicht halten kann.

Die Beratung ist nicht übrig geblieben. Sie ist zum teuersten Posten geworden.

ZeitraumInhalt
Monat 1Erfassung und Analyse der Ausgangslage
Monat 1–2Arbeitgebermarke, Mitarbeiterbefragung, Content-Strategie
Monat 2–3Konzept, Technik, Bewerbungsprozess
ab Monat 3Kampagnen, organische Sichtbarkeit, Monitoring
durchgehendein Beratungstag pro Monat – die einzige Linie, die nicht abreißt
Wie ein Mandat abläuft: sechs bis neun Monate, vier Phasen
fokusKI · Ein Mandat, zwei Rechnungen

120.000 €

erstes Jahr, klassisch aufgesetzt

65–70.000 €

laufende Kosten ab Jahr zwei

unter 30.000 €

Hochrechnung mit KI-Software

1 Tag/Monat

Beratung – der größte Einzelposten

Einzelfall aus einem seit drei Monaten laufenden Mandat, auf zwölf Monate hochgerechnet. Kein Durchschnittswert, keine Zusicherung eines Ergebnisses. Identischer Leistungsumfang.

Häufige Fragen

Sind 120.000 Euro im ersten Jahr zu viel?

Nein. Für fünf Einrichtungen sind das rund 24.000 Euro je Haus bei vollem Leistungsumfang – Strategie, Kanäle, Produktion, Werbebudget, Betreuung und Karriereseite. Das entspricht dem, was am Markt für diese Leistung aufgerufen wird.

Warum sinken die Kosten ab dem zweiten Jahr ohnehin?

Weil Workshop, Maßnahmenplanung und Karriereseite einmalige Posten sind. Ohne sie bleiben etwa 65.000 bis 70.000 Euro laufende Kosten pro Jahr – unabhängig davon, ob eine Software im Einsatz ist oder nicht.

Woher kommt die Ersparnis genau?

Aus der Herstellung, nicht aus der Beratung. Recherche, Redaktion, Anzeigen und Auswertung entstehen in einer Umgebung statt in einer Werkzeugkette. Zusätzlich sinkt der Zukauf von Reichweite, sobald organische Sichtbarkeit wächst.

Wie schnell wirkt organische Sichtbarkeit?

Nicht sofort. Sie ist der langsamste und zugleich der tragfähigste Hebel: Wer sie aufbaut, senkt dauerhaft den Bedarf an gekaufter Reichweite. Wer sie nicht aufbaut, bezahlt Reichweite dauerhaft.

Was bleibt Handarbeit?

Urteil, Priorisierung und Haftung. Eine Software entscheidet nicht, ob eine Stellenanzeige diskriminierungsfrei ist, und sie erkennt nicht, wenn ein Versprechen die Organisation überfordert. Dafür steht ein Beratungstag im Monat.

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